Bilder © Karl Riedling, 2003 - 2011
Noch eindrucksvoller als im Ausstellungs-Teil des Museums (im "Erdgeschoß") kann man im ersten Stock das Heranwachsen der Modellbahnanlage mitverfolgen. Mit jedem Jahr findet sich, von den Modellbahnern Helmut Mayer, Hans Holleis und Peter Schromm, der seit 2011 von Helmut Pauzenberger abgelöst wurde, liebevoll gestaltet, Neues und Erfreuliches: Wir erleben die Entwicklung von einem recht rudimentären Rumpfbetrieb in den Anfängen zu einem vollelektronisch gesteuerten Vollbetrieb der Modellbahnanlage mit einem ausgeklügelten und hochkomplexen Fahrplan mit, bei dem Dutzende von Zügen aus wohlbestückten Schattenbahnhöfen auftauchen und wieder dorthin verschwinden. Die Steuerung erfolgt, wie es sich für einen modernen Eisenbahnbetrieb gehört, natürlich über Computer: Das ursprüngliche, noch unter MS-DOS laufende Steuerungs-Programm hat drei Jahre später eine in mühevoller Kleinarbeit von Herrn Holleis programmierte voll-grafische Version in des Wortes wahrster Bedeutung an die Seite gestellt bekommen, bei der per Mausklick einzelne Züge auf die Reise geschickt, ganze Fahrpläne abgespult, und einige andere Funktionen aktiviert werden können.
Auch bei der mit geradezu unendlicher Liebe zum Detail immer weiter ausgebauten Ausgestaltung der Anlage stößt man alle Jahre wieder auf Details, die das Herz (nicht nur) des Fotografen lachen lassen: Waren es schon in den Anfängen aus zahnstochergroßen Holzstückchen zusammengeleimte Bauernzäune, Hirschlein im Walde oder Scharen von Forstarbeitern, kommen später fleißige Bäuerinnen im Garten ebenso dazu wie die Innenausstattung des Stationsgebäudes Angertal oder die Fahrgäste im dortigen Wartesaal. Gelegentlich setzt sich eine Krähe auf die Spitze eines Mastes, und der bergwärts Richtung Angertal schnaufende Autobus hat, wie man uns sagte, die originalgetreue Kennzeichentafel. Eines Tages taucht die Haltestelle Hofgastein, die zwei Jahre zuvor einen Stock tiefer zu ein solitären Leben in einem Plexiglaskobel in den Ausstellungsräumen verurteilt war, vorläufig der Fahrleitung und der Katze am Dach beraubt, dort auf, wo sie in der Anlage hingehört, und man weiß jetzt, warum schon in den Vorjahren manche Züge genau dort stehen geblieben sind. Damit man auch sieht, dass nicht nur die für die Besucher sichtbare "Schokoladenseite" der Anlage liebevoll gestaltet ist, sondern auch die Rückseiten der Gebäude, hat jemand hinter der Haltestelle Hofgastein einen Spiegel aufgestellt. Von einem Jahr zum nächsten tauchen neue Details auf, etwa frisch gepflanzte Sonnenblumen, wo im Vorjahr noch keine waren, oder eine neue Baustelle, oder fleißige Arbeiter, die eine Brücke lackieren. Gelegentlich kommen ganze Landschaftsteile dazu, wie etwa die Klammschlucht (einschließlich Wärterhaus mit realitätsgetreuen Felsbrocken am Schutzdach und einer Leiter hinunter zu einer Kolonie von Fliegenpilzen und Rehen am Talboden), oder Burg Falkenstein, einschließlich Christophorus-Fresko auf der Turmfassade. Was in die Anlage thematisch nicht hineinpasst, wird in eine Vitrine oder auf ein Bord an der Wand gestellt, etwa Erich Honeckers Regierungszug "Pankow".
Und um dem Gerücht etwas entgegenzusetzen, Modellbau sei etwas Todernstes, findet der Kenner immer wieder etwas zum Schmunzeln: Etwa im gemalten Hintergrund der Anlage - ein Kunstwerk für sich -, wo hinter dem Bahnhof Angertal ein nicht ganz friktionsfreies Verhältnis zwischen Jägern und Mountainbikern dargestellt ist, oder nahe dem Bahnhof Mühlbach, wo sich eine, wie man alljährlich rund um Ferragosto in den Zeitungen liest, aus dem Leben gegriffene Szene zwischen Gästen aus einem südlichen Nachbarland und dem lokalen Förster darbietet. Beim - aus Platzgründen separat aufgestellten - Bahnhof von Bad Hofgastein macht der Modellbau vor nichts Menschlichem Halt: Vorbildgetreu, wie wir hören: Da in der Tür des Kabbäuschens das legendäre geschnitzte Herzerl für Belicht- und -lüftung fehlte, blieb den dortselbst Einsitzenden tatsächlich nichts Anderes übrig, als die Tür einen Spalt breit offen zu halten. Dann gibt es den besten Freund des Menschen mit seiner Lieblingsbeute, oder zwei, na sagen wir, etwas wohlbeleibtere Damen, die sich von den Strapazen eines Spaziergangs erholen müssen. Auf einem Feldweg hält ein mit großer Mühe auf "vergammelt" hergerichteter Mercedes mit einer Sammlung von Übersiedlungsgut, deren Zusammenstellung einem Salvador Dali alle Ehre gemacht hätte, und der zugehörige Fahrer hat einen "Betriebshalt" ausgerufen; auf einer Lichtung ein Stück weiter - oh pardon! (Wie erwähnt: Der Modellbau macht vor nichts Menschlichem Halt.) Und am Brückenkopf der (noch provisorischen) Angertal-Brücke hat sich eine Schar von Fotografen vereint, die jeden herannahenden Zug in einem Feuerwerk von Blitzlichtern auf Zelluloid bannen. Irgendwo, glaub' ich, hab' ich so was schon einmal in Natura gesehen (allerdings eher ohne Blitzlicht)...
Selbst die Teile der Anlage, die im Hintergrund für den Betrieb erforderlich sind, locken ein begeistertes und Generationen überspannendes Publikum an, wie etwa die Dreifach-Gleiswendel, auf der sich die zum Teil unendlich langen Züge - wie hier der Orientexpress - auf ihrem Weg zwischen Angertal und Schattenbahnhof Mallnitz empor- oder herunterschrauben.
Und da ja eine Modellbahnanlage eine Art Zeitmaschine ist, ist es auch ein Leichtes, die Chronologie der Ereignisse umzukehren: Anders als bei der realen Tauernbahn begann hier der Betrieb mit elektrischer Traktion, und erst Jahre später - 2008 - wurde der Dampfbetrieb eingeführt. Allerdings verkehren im Dampf-Vollbetrieb - anders als in der "Vorschau" mit einem Güter- und einem Personenzug, an der wir teilhaben durften - nicht Elektro- und Dampflokomotiven gemeinsam; es gibt vielmehr einen reinen Dampfbetriebs-Fahrplan. Ein paar Jahre später sind etliche dampfende "Leckerbissen" hinzugekommen, nicht zuletzt eine Schnellzugslokomotive der Königlich Bayrischen Staatsbahnen mit dazupassenden Waggons, die sichtlich auch für die Fotografen beim Bahnhof Angertal ein interessantes Motiv darstellen dürfte.
Aber verfolgen Sie selbst die Modellbahnanlage durch die Jahre:
2003 (15. August 2003)
2004 (1. August 2004)
2005 (3. August 2005)
2006 (12., 15. und 22. August 2006)
2007 (8. und 21. August 2007)
2008 (20. Juli und 5. August 2008)
2009 (14. und 22. August 2009)
2010 (5. und 19. August 2010)
2011 (30. Juli, 4., 12. und 18. August 2011)